Trump schielt auf den wichtigsten Steuerzahler der Schweiz.Bild: keystone
Der US-Pharmakonzern MSD gilt als der wichtigste Steuerzahler der Schweiz. Doch genau das könnte politisch heikel werden: In den USA steht das Unternehmen wegen seiner Steuerpraxis und hoher Medikamentenpreise unter Druck.
28.06.2026, 20:3028.06.2026, 20:45
Für Karin Keller-Sutter gab es diese Woche ungewohnt gute Nachrichten. Der Bund nimmt bei den Unternehmenssteuern deutlich mehr Geld ein als erwartet. Die Finanzministerin kann deshalb vorerst auf ein zusätzliches Sparpaket für 2027 verzichten. Auch für die Armee bleibt mehr Spielraum.
Der Geldsegen kommt allerdings nicht aus der Breite der Wirtschaft. Ein sehr kleiner Teil der Unternehmen trägt einen sehr grossen Teil der Gewinnsteuern. Nach Angaben der «SonntagsZeitung» zahlen 0,5 Prozent der Firmen rund drei Viertel aller Gewinnsteuern.
Eine Firma fällt dabei besonders auf: MSD Schweiz mit Sitz in Luzern. Der US-Pharmakonzern gilt als der wichtigste Steuerzahler des Landes. 2025 soll MSD hierzulande 1,8 Milliarden Franken Gewinnsteuern bezahlt haben.
Luzern profitiert vom Pharma-Giganten
Für den Kanton Luzern ist MSD ein Glücksfall. Der Konzern passt perfekt zum Luzerner Tiefsteuer-Modell für Unternehmen. Dieses hat den Kanton in den vergangenen Jahren zu einem der attraktivsten Firmenstandorte der Schweiz gemacht. Inzwischen erhebt Luzern die tiefsten Unternehmenssteuern im Land.
Doch genau diese Konstruktion könnte für die Schweiz zum Problem werden. Denn in Washington wächst der Druck auf internationale Konzerne, die grosse Gewinne ausserhalb der USA versteuern.
Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, steht MSD bereits im Fokus der amerikanischen Steuerbehörden. Das Unternehmen soll angegeben haben, durch eine Sonderregelung zur Versteuerung von Gewinnen in der Schweiz rund 1,4 Milliarden Dollar Steuern gespart zu haben. Die US-Behörden werfen MSD demnach vor, Gewinne im Ausland zu verbuchen, die aus amerikanischer Sicht in den USA besteuert werden sollten.
Medikamentenpreise als zweiter Konfliktpunkt
Hinzu kommt ein weiteres Thema, das für Donald Trump politisch zentral ist: die hohen Medikamentenpreise in den USA. Trump will erreichen, dass Amerikanerinnen und Amerikaner für Medikamente nicht deutlich mehr bezahlen als Patientinnen und Patienten in anderen Ländern.
Auch hier ist MSD ein auffälliges Beispiel. Das Krebsmedikament Keytruda kostet in der Schweiz laut «SonntagsZeitung» rund 73’000 Franken pro Patient und Jahr. In den USA liegt der Preis demnach bei über 200’000 Dollar.
Trump kritisiert seit Jahren, dass andere Länder von niedrigeren Medikamentenpreisen profitierten, während die USA einen grossen Teil der Kosten trügen. Sollte seine Regierung dieses System aufbrechen, könnte das auch Folgen für die Schweiz haben.
Drohen höhere Prämien?
Der Bundesrat rechnet im Extremfall mit erheblichen Mehrkosten. Wenn Trumps Pläne voll durchschlagen, könnten Medikamente in der Schweiz deutlich teurer werden. Für Prämienzahlerinnen und Prämienzahler wäre das ein Problem: Laut Bundesrat könnten die zusätzlichen Kosten bis zu 4,8 Milliarden Franken betragen. Das entspräche rund 530 Franken pro Person und Jahr.
Damit berührt der Fall MSD gleich mehrere politisch heikle Themen: tiefe Schweizer Unternehmenssteuern, amerikanische Steuerinteressen und die Frage, wer weltweit wie viel für Medikamente bezahlt.
Nicht nur MSD füllt die Bundeskasse
MSD ist aber nicht der einzige Konzern, der den Schweizer Staatshaushalt stützt. Auch andere grosse Unternehmen liefern enorme Summen ab. Laut einem Steuerrating der «Handelszeitung» gehören Roche, Nestlé, Novartis, Zurich und Glencore zu den grössten Steuerzahlern.
Roche soll weltweit 3,2 Milliarden Franken Gewinnsteuern bezahlen, davon 1,29 Milliarden in der Schweiz. Nestlé kommt demnach hierzulande auf 875 Millionen Franken, Novartis auf 765 Millionen.
Auch Genf spielt eine wichtige Rolle. Der Kanton muss dem Bund in den kommenden Jahren laut «SonntagsZeitung» deutlich höhere Beträge abliefern als geplant. Das hängt unter anderem mit Rohstoff- und Logistikkonzernen zusammen, die von Genf aus tätig sind.
Für Keller-Sutter ist das kurzfristig eine Entlastung. Langfristig zeigt der Fall MSD aber, wie abhängig die Schweizer Bundesfinanzen von einzelnen sehr grossen Konzernen sind – und wie schnell diese Abhängigkeit zum politischen Risiko werden kann. (mke)
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